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Lore
Divalianische Hülle
Für Geister, die über den Rand der Welt hinausblicken können.
Es dauert lange, etwas zu werden. Im Ei ist es warm, wie in einem Traum. Das Kleine saugt die Geschichten seines Muttertiers auf und schlummert.
Zwischen den sieben besteht fremde Körperwärme. Etwas Vibrierendes nähert sich – Stimmen.
In der einen Stimme vollkommene Ruhe, Anspannung in der anderen. Ist es Zeit, den Prozess des Werdens zu vollenden? Das Kleine wird etwas, das ein Trommelfell hat, um zuhören zu können.
„Petra.“
„Meine Königin.“
Es ist nicht leicht, die Worte zu verstehen, die sich hinter dem Willen verbergen. „Seit drei Wochen sehen wir dabei zu, wie sich unsere Schwestern dieser Folter durchziehen – genug,“ sagt es, und auch: „Zerbrich sie nicht“, obwohl das Kleine sehr wohl in der Lage dazu wäre, seine eigene Schale zu zerbrechen, wenn es denn wollte – und dann folgt Trauer, die sich wie ein Schleier über einen Wunsch legt, so breit, um selbst das hungrige Vatertier des Kleinen zu sättigen: „Mylady, eine finale Schleife wird niemals existieren.“
Verlangen! Tiefes Verlangen! Die angespannte Stimme will etwas, das außerhalb der hiesigen Welt besteht. Unvollständig geformte Klauen kratzen zwecklos an der inneren Wölbung der Schale. Zum allerersten Mal verspürt das Kleine Hunger.
„Was schlägst du vor?“
Angst, Verwirrung, Vertrauen. „Hier, Mylady? Jetzt? Vor – allen?“
Ein Eizahn hilft dem Kleinen weiter.
„Hier und jetzt. Vor allen.“ Die steinerne Stimme. Sie will nichts, nicht einmal das Kleine.
„… Die einzig mir ersichtliche Antwort ist, dass wir alle herausziehen und in die Wirrbucht bringen“, sagt das andere Wesen, durchzogen von aufblitzenden Zweifeln und der vielleicht noch werdenden Welt. Der Eizahn ist nicht stark genug; es braucht Dichte, Knochen, Elfenbein, Stahl. „Aber – wie nur? Solange Riven und Dûl Incarus Fluch bestehen?“
Die Glückshaube aus Muttertiergeschichten und Vatertiergelübden reißt unter edelsteinartigen Zähnen. Die Schale zerbricht.
Zwei Wesen unter den faulen, sich noch in ihren Eiern befindenden Geschwistern des Kleinen: wunschlos und beobachtend, bedürftig und wartend.
Perfekt. Mit seiner ersten Mahlzeit im Visier springt das Kleine gen Freiheit.