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Lore
Offiziell ausgestellte Hülle
Für Geister, die auf der Wahrheit bestehen.
Ben Yero saß am Tresen des Diners, als hinter ihm die Glocke der Tür läutete. Es war das erste Mal, dass er in dieser Woche das Haus verlassen hatte, und bis auf den Nachruf seines Bruders zu schreiben, war er zu nichts anderem in der Lage gewesen. Die Trauer hatte ihn ausgehöhlt, und alles was blieb, war Feuer.
„Mr. Yero? Sie können mich Gideon nennen.“
Ben schaute auf und erblickte einen großen, von Sorge gezeichneten Mann in einem karierten Anzug und Brille mit rundem Gestell. Vor Wut überkam ihn die Hitze. „Halten Sie ihre Geierkrallen von meinem Bruder fern.“
„Mr. Yero, ich habe keinerlei Interesse daran, aus Unglücken einen Profit zu schlagen–“
„Als ob. Ich weiß, was Anwälte wie Sie nach solchen Ereignissen machen–“
„Ich glaube, die AeB hat Ihnen nicht die Wahrheit gesagt, Mr. Yero.“
Diese verschwörerische Aussage überraschte ihn. „Was für eine Art Anwalt sind Sie?“
„Ein guter.“ Er nickte der Kellnerin zu, die ihm daraufhin einen Kaffee servierte. „Ich habe den Nachruf ihres Bruders gelesen. Ich nehme an, Sie haben mit Direktor Moffat gesprochen?“
„… Er sagt, es gab einen Unfall.“
Gideon rührte sich nicht. „Haben Sie nach Details zu dem Unfall gefragt?“
„Ja, aber …“
„Nehmen Sie sich Zeit.“
„… Der Direktor sagte, es sei ein Risiko für die nationale Sicherheit, uns weitere Informationen mitzuteilen.“ Er atmete tief durch, um die Fassung zu bewahren. „Doch es gab keine Leiche.“
Der Anwalt nickte. „Ihr Bruder starb am selben Tag, als eine Frau namens Dr. Davis verschwand. Er kannte sie“, fügte er leise hinzu. „Die AeB hat uns mitgeteilt, sie sei gegen Mittag zu einer Untersuchung gefahren und nie davon zurückgekehrt. Dr. Davis, ihr Auto und ein Zug der Linie 2 sind ebenfalls verschwunden.“
Gideon Davis sah Ben direkt an. „Es besteht eine Verbindung zwischen unseren Verlusten, Ben.“
In diesem Moment befand sich Ben am Tresen in Chicago, doch in einem anderen war er elf Jahre alt und lebte in Lodi, in Wisconsin, und verpasste einem Siebtklässler einen Kinnhaken. Der Siebtklässler hieß Lou und lag mit blauem Kinn hinter ihm auf dem Bürgersteig, von wo er vollständig ergeben zu Ben aufblickte.
Und in der Gegenwart ballte sich Bens Hand unter dem Tresen zu einer Faust. „Die AeB hat gelogen.“
„Mr. Yero … Möchten Sie sich der Familie Davis anschließen, wenn sie rechtliche Schritte gegen die nationale Regierung einleitet?“