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Lore
Reichweite des Gequälten
– Entzwei gerissenes Leid bricht über die Täler herein und bezwingt sie erneut –
Resonante Erinnerungen säumen das Material dieser Rüstung. Tief in den Falten des geschmiedeten Schutzes ist der enthäutete Ursprung der Gräuel eingebrannt.
Endlose Dunkelheit umhüllt einen Quäler. Dieses erste Stück wird von der Klinge der Stimme abgeschält.
Der Quäler ist nicht allein …
Das tief im Schatten verborgene Licht flackert unruhig, als ob schmerzhafte Krämpfe es verformen würden. Es windet sich um die sich unaufhörlich bewegenden Hände und wird aufgezogen, um ihre Messer mit Licht zu bestreichen, als wäre es Geigenharz. Eine heterodoxe Verbindung, die die Erschaffung neuer Formen aus altem Fleisch ermöglicht.
Eine ewige Stimme durchdringt die Dunkelheit …
„Forme dich, Zweite, geboren aus Schmerz. Durch das Licht, gebogen im Dienst der Tiefe. Wir formen dich zu einem Wesen. Zeige dich. Jetzt.“
In der Tiefe werden kreischende Qualen in zwei verwandte Stelen geritzt …
„Aus dem Fleisch unseres Verstandes geschält.“
Die Stimme drückt ein Stück seiner Seele in das halbierte Fleisch.
„Ein lebender Spiegel, in den wir unseren Willen ritzen können.“
Eine Klinge aus Resonanzenergie schneidet schlanke menschenähnliche Husks aus der zitternden Leinwand …
„Dieses Qualgebilde. Diese Lektion wollen wir mit dir teilen.“
Die dünnen Schichten werden voneinander getrennt und die Segmente entlang der Nervenstränge geteilt …
„Im wunden Licht wird deine Form geschmiedet.“
Der Husk wird begutachtet, mit dem Saum neu kombiniert und viele Male neu geformt.
„Ihr sollt sie mit Werkzeugen der Unterwerfung unterrichten.“
Die Stimme beschwört Erinnerungen an tiefe Macht in das Gewebe … Europa verleiht Kontrolle. Neomuna Gleichmut.
„Bis sich alles Licht der Endlichkeit unseres Horizonts beugt.“
Mit diesem Befehl verstummt die Stimme …
Unterworfene Hälften der Qual werden in der Stille der Tiefe zurückgelassen. Sie blicken mit offenen Augen auf die Welt und weinen.
***
Selin sitzt mit ihrer anderen Hälfte zusammen und betrachtet das Bleiche Herz. „Schwester, was wird aus uns, wenn wir Erfolg haben?“
Die andere Hälfte überlegt sich diese Frage zum ersten Mal. Nach einem Moment antwortet sie. „Wir kehren zurück.“
„Und was wird aus – uns?“, betont Selin.
Yemiq ist von der Frage frustriert. Sie rammt ihre Lanze in eiterndes Gestrüpp. „Wir … kehren zurück?“
Selin spielt mit einem Stasis-Bruchstück und wertet die gespaltenen Greifreflexe aus. „Zurückkehren … dorthin, wo es keine Yemiq gibt? Nur ein Echo im Zeugen.“
Das ärgert sie noch mehr. Sie zieht die Lanze heraus und stellt sich über Selin. „Ich bin Yemiq.“
„Ganz genau“, sagt Selin, lässt das Bruchstück fallen und sich auflösen, um sich der anderen Hälfte gegenüberzustellen. „Und wer warst du vorher?“
„Nicht nichts“, antwortet Yemiq.
„Aber auch nicht Yemiq“, sagt Selin, deutet auf sich selbst und fügt hinzu, „und schon gar nicht Selin.“
„Besser begraben als komplett aus dem Gedächtnis gelöscht werden.“ Yemiq wendet sich ab. „Wir werden zurückkehren. Gemeinsam.“
„Zusammen, in seinem Inneren“, fragt Selin vorsichtig. „Ist es das, was du willst?“
Yemiq schweigt.
„Ich weiß, was er will. Ich frage dich, was du willst.“ Selin sieht die finale Form genauso deutlich wie der Zeuge. Er wird diese Form zum Leben erwecken. Von diesem Ziel darf nicht abgewichen werden. Aber Selin hat auch darüber nachgedacht, was danach kommt, was kommen könnte. Sie mustert das Bleiche Herz erneut und lässt ihren Blick auf einer Stelle verweilen, die von der Dunkelheit gezeichnet ist. „Was wäre, wenn wir wirklich ganz sein könnten …“
Eine Stimme durchdringt Selins Geist und schneidet diesen Gedanken wieder heraus. „Gib diese armselige Hoffnung auf.“